Die Anhebung des Pensionsantrittsalters als trügerisches Allheilmittel zur Pensionsfinanzierung

Die Anhebung des Pensionsantrittsalters als trügerisches Allheilmittel zur Pensionsfinanzierung
Misstrauen Sie jedem Politiker, der in der aktuell geplanten Anhebung des Pensionsantrittsalters die Lösung der Finanzierungsproblematik sieht.
Gastkommentar von Walter Worresch

Die Gründe dafür sind ganz einfach: Entweder, dieser Politiker hat keine Ahnung von der Materie, oder er lügt Sie hemmungslos an.

All diese Politiker haben doch gemeinsam, dass sie beteuern, die Finanzierung der Pensionen sei gesichert und es seien daher keine massiven Einschnitte in der Zukunft notwendig.

Aus zwei Gründen kann dies nicht funktionieren:

Die Regeln der Pensionsberechnung

Sie erwerben für jedes Jahr Pensionsbeitragszahlung 1,78% des Durchschnittseinkommens eines bestimmten Zeitraums an Pensionsanspruch.

D.h., je länger die Beitragszahlungsdauer, desto höher der Pensionsanspruch.

Bei einem Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter verringern Abschläge Ihren Pensionsanspruch. Bleiben Sie über das Regelpensionsalter hinaus berufstätig, dann erhalten Sie sogar noch Zuschläge zu Ihrer Pensionshöhe.

Längeres Arbeiten bedingt also höhere Pensionsansprüche.

Die Entwicklung der Lebenserwartung

Die geplante Anhebung des Pensionsalters ist deutlich geringer, als die erwartete Steigerung der Lebenserwartung.

Obwohl das Pensionsantrittsalter z.B. um zwei Jahre steigt, ist die Lebenserwartung in diesem Zeitraum bereits um vier Jahre gestiegen.

Das bedeutet, dass die Pensionsbezugsdauer trotz späteren Pensionsantritts dennoch länger wird.

Diese Auswirkung ist in unten stehender Grafik gut ersichtlich.
Die Anhebung des Pensionsalters als trgerisches Allheilmittel zur Pensionsfinanzierung
Obwohl im oberen Balken der Pensionsantritt um einige Jahre früher als im unteren Balken erfolgt, ist die Pensionsbezugsdauer bei späteren Pensionsantritt (wegen der längeren Lebenserwartung) wesentlich höher.

Die Auswirkung

Durch den späteren Pensionsantritt wird eine höhere Pension bezogen, diese auch noch über einen längeren Zeitraum, und dieses auch noch in einer Situation, in der die demographische Situation wesentlich ungünstiger für das Pensionssystem ist, als heute.

Eine Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters bringt daher bei ähnlicher Rechtslage wie heute eine wesentlich höhere Belastung für das Pensionssystem.

Ein Politiker, der mit dieser Anhebung die Lösung der Finanzierungsproblematik sieht, hat entweder keine Ahnung von der Auswirkung… oder er hat bereits drastische Änderungen in der Rechtslage geplant, welche die Pensionsansprüche in Zukunft massiv verringern werden.

Misstrauen Sie allen Politkern, die in der Anhebung des Pensionsalters die Lösung der Finanzierungsproblematik sehen!

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