Das Umlageverfahren und der Pensionskontoauszug

Das Umlageverfahren und der Pensionskontoauszug
Fast jeder weiß, dass die Pensionen mittels des Umlageverfahrens finanziert werden. Kaum jemand hat aber die Hintergründe dieser Finanzierungssystematik wirklich verstanden.
Gastkommentar von Walter Worresch, Obmann des Vereins der Pensionsbeitragszahler Österreichs

Das Umlageverfahren

Sie zahlen regelmäßig Ihre Pensionsversicherungsbeiträge, viele tausende, zehntausende Euro im Laufe Ihres Lebens. 
Diese Beiträge werden verwendet, um die heutigen Pensionen auszubezahlen.
Das bedeutet, es wird mit Ihren Beiträgen kein Guthaben für Sie angespart, sondern diese Beiträge werden sofort wieder ausgegeben.  

Das Versprechen

Sie erwerben also kein Guthaben, aber es wird registriert, wie viele Beiträge Sie bezahlt haben und auf dieser Basis wird Ihnen eine zukünftige Leistung (= Pension) versprochen.

Dieses Versprechen sehen Sie z.B. auf Ihrem aktuellen Pensionskontoauszug.  

Der Tag der Wahrheit

Irgendwann kommt jetzt der Tag der Wahrheit und Sie gehen in Pension.  

Nachdem ja keinerlei Beträge für Sie angespart wurden, also kein Guthaben vorhanden ist, ist die Höhe der Pension ausschließlich von der Erfüllung der Leistungsversprechen abhängig, die Sie in der Vergangenheit erhalten haben.  

Wer muss diese Leistungsversprechen jetzt einlösen?  
Jene Generation, die JETZT an der Reihe ist, Beiträge zu bezahlen, also unsere Kinder und Enkelkinder.

Jetzt muss man folgende Dinge wissen:  
Jene Versprechen, welche wir von unseren Politikern erhalten, sind vollkommen überzogen und nie erfüllbar.

Die zukünftigen Beitragszahler

Wird sich die kommende Generation mit diesen Versprechen identifizieren?  

Sie glauben schon?  

Überlegen wir: Haben WIR nicht auch schon derartige Versprechen gebrochen?  

All jenen, die heute in Pension gehen, wurde einmal versprochen, dass sie nach 40 Beitragsjahren mit 80% des Letzteinkommens (!) in Pension gehen könnten. Von diesen Pensionshöhen sind wir weit entfernt.

Also diese Versprechen werden heute von uns nicht erfüllt!  
Haben wir ein schlechtes Gewissen deswegen?   Kaum!
Ganz im Gegenteil!

Wir sind doch alle der Meinung, dass wir sowieso genug belastet werden und die heutigen Pensionisten eigentlich ganz froh sein sollten, dass wir überhaupt Pensionen in der aktuellen Höhe finanzieren, oder?  

Warum soll die zukünftige Generation anders denken?  

Die gebrochenen Versprechen

Auch haben wir uns schon daran gewöhnt, dass derartige Versprechen regelmäßig gebrochen werden (wir beschäftigen uns nur viel zu wenig mit den Konsequenzen dieser gebrochenen Versprechen).

JEDE Pensionsreform ist ein gebrochenes Versprechen!  

JEDE Pensionsreform brachte eine Reduzierung unserer Pensionsansprüche mit sich. Die richtige Bezeichnung der Pensionsreformen wäre daher "Pensionsanspruchskürzung". D.h., das Versprechen der vorherigen Leistungszusage wird gebrochen.

"Anspruchskürzung" klingt natürlich nicht sehr positiv. "Reform" klingt da viel dynamischer, "Refomen" sind auch politisch leichter umsetzbar.  

Aber, jede dieser "Reformen" reduziert unsere zukünftigen Ansprüche und bricht das bisher gültige Versprechen.  

Nochmals zur Erinnerung:
Nachdem ja keinerlei Beträge für Sie angespart wurden, also kein Guthaben vorhanden ist, ist die Höhe der Pension ausschließlich von der Erfüllung der Leistungsversprechen abhängig, die Sie in der Vergangenheit erhalten haben.  

Denken Sie einmal darüber nach!
Und hören Sie auf, an die Zahlen in Ihrem Pensionskontoauszug zu glauben!

Copyright © 2017 Die Pensionsexperten GmbH
Mohsgasse 1/Top 2.2, 1030 Wien, GF: Mag. Stefan Kunczier