Damit Sie nicht ins Loch fallen - oder: Vorsorgeirrtümer vermeiden

Damit Sie nicht ins Loch fallen - oder: Vorsorgeirrtümer vermeiden

Das kennen wir alle: Es gibt Dinge, mit denen wir uns auseinandersetzen sollten. Aber wir verdrängen sie lieber oder schieben sie auf die lange Bank. Unsere private Altersvorsorge ist so ein Thema.
Von Manfred Kainz

Resultat von Selbstberuhigung und Verdrängung ist dann die sogenannte „Pensionslücke“: das finanzielle Loch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. „Mich betrifft das Pensionsfinanzierungsproblem nicht mehr“, „So schlimm wird es schon nicht werden“, „Wenn sich’s nicht ausgeht, wird mir der Staat schon helfen“, „Als Pensionist werde ich mich eben einschränken“, „Ich spare ja schon etwas für die Pension“, „Ich habe noch Zeit, bin ja noch jung“. Verwenden Sie auch das eine oder andere dieser Argumente? Wenn ja, dann Achtung: Diese selbstberuhigenden Denkfehler können sich rächen. Denn sie verharmlosen das Pensionsproblem und verschieben das Vorbeugen, bis es vielleicht zu spät ist.

Länger als man glaubt

Der Pensionsreport 2012 des Vereins der Pensionsbeitragszahler Österreichs warnt u. a. vor der Illusion „Mich betrifft das nicht mehr“. Auch wenn die große Finanzierungskrise erst ab 2025 bis 2030 kommen mag: Wir alle dürfen nicht nur berechnen, wann wir in Pension gehen werden oder wollen, sondern auch, wie lange wir dann noch leben werden, sprich Pension beziehen wollen. Wer heute 40 ist, hat eine Lebenserwartung von mindestens 90 Jahren, geht ungefähr 2037 in Pension und hat dann noch eine Pensionszeit von gut 25 Jahren vor sich. Da kann man nur hoffen, dass „der Staat“, das öffentliche Umlagesystem, bis ins Jahr 2062 die „wohlverdiente“ Pension problemlos zahlen kann. Von der heute ausgerechneten bzw. gesetzlich „versprochenen“ Höhe ganz zu schweigen.

Wer soll denn das zahlen?

Auf unsere Selbstberuhigung „So schlimm wird es schon nicht werden“ antwortet der Pensionsreport: „Doch, sogar noch schlimmer.“ Da das Verhältnis von Beitragszahlern zu Pensionisten absehbar auf 1:1 steigen wird, wird im Umlagesystem in spätestens 25 Jahren ein Pensionsempfänger von einem Aktiven finanziert werden müssen. Wenn man als Ruheständler dann gerne wenigstens 70 % seines Letzteinkommens als Pension hätte, wäre das bei einem Letztbezug von z. B. 3.000 eine Pension von 2.100  Pension pro Monat. Da brauchen wir dann aber viel Glück, jenen Beitragszahler zu finden, der bereit sein wird bzw. es sich leisten kann, uns 2.100 €  Pension monatlich zu finanzieren.

Der Retter ist selbst verschuldet

Manche Politiker sagen noch immer: „Dann muss der Staat eben einspringen.“  Der Staat, der schon heute trotz Wohlstand und Rekordbeschäftigung massive Finanzierungsprobleme angehäuft hat? Stichworte Schuldenbremse,  Bürokratieapparat, Bildungswesen, Gesundheits- und Pflegesystem . . . Außerdem finanziert sich der Staat im Wesentlichen aus den Abgaben der Aktivbevölkerung. Wenn diese künftig auch noch dieselbe Zahl an Pensionisten finanziell erhalten muss (s. o.), wird es (politisch) unmöglich, ihnen vom restlichen Einkommen noch mehr für die zahlreichen öffentlichen „Töpfe“ abzuknöpfen. Auf den Staat als Retter in der Not, als „Retter meiner Pension“, sollte man sich lieber nicht verlassen.

Man will ja einen schönen langen Lebensabend

"Als Pensionist werde ich mich eben einschränken (müssen)“. Abgesehen davon, ob man das wirklich will, ist das die nächste Illusion. Denn auch wenn dann vielleicht manche Finanzierungskosten weggefallen sind, bleiben doch alle Fixkosten des täglichen Lebens gleich - oder werden krankheits-/altersbedingt sogar mehr. Und die 40 Stunden mehr Freizeit pro Woche will man doch auch sinnvoll füllen, oder? Der Pensionsreport gibt zu bedenken: Stellen Sie sich vor, ab nächstem Monat mit 50 bis 70 % ihres jetzigen Einkommens auskommen zu müssen. Ob da „Einschränken“ ausreicht? Und wie sähe dann unser tägliches Leben aus? Aber mit der jetzigen staatlichen Pension allein werden wir schmerzhafte Einschnitte im Börsel haben. Und da soll man sich auf die – hoffentlich lange - Pensionszeit freuen?

Zeit ist Geld

„Aber ich spare ja schon etwas für die Pension“, werden nun einige entgegnen. Um später eine vernünftige laufende Zusatzpension zu haben, muss man bei einem realistischen Nettozinssatz mit einem Kapitalbedarf beim Pensionsantritt in sechsstelliger Eurohöhe rechnen. Mit 50 braucht man dazu lange. Der Faktor Zeit ist in der finanziellen Altersvorsorge ein wesentlicher Faktor, jeder nicht genutzte Monat kostet am Ende Tausende Euro.

Niemand ist zu jung oder zu alt

Deshalb trösten sich viele mit dem Argument „Ich habe noch genug Zeit, ich bin ja noch jung.“ Aus dem oben gesagten gilt aber auch für die jüngeren Generationen: Das Problem der Pensionsfinanzierung kommt jedenfalls - ob man jetzt vorsorgt oder nicht. Die Chance, aus Eigeninteresse mit Eigenvorsorge vorzubeugen, sollten aber nicht nur die Jungen nützen.

Zum Originalartikel

Copyright © 2017 Die Pensionsexperten GmbH
Mohsgasse 1/Top 2.2, 1030 Wien, GF: Mag. Stefan Kunczier