FONDS exklusiv

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Ein Gespräch mit Johannes Pundy, den Pressesprecher der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Gerhard Hopfgartner von der Skandia Leben, den Generaldirektor der PVA, Winfried Pinggera, zum Gespräch über die Pensionsproblematik sowie Michael Müller

FONDS exklusiv: In der breiten Öffentlichkeit wird zusehends über die Nichtfinanzierbarkeit der staatlichen Pensionen debattiert, dass die private Eigeninitiative unabdingbar ist, um die Pensionslücke zu vermeiden. Dennoch behaupten immer wieder Organisationen das Gegenteil. Wie sehen Sie das?

Winfried Pinggera: Das staatliche System präsentiert sich von der Auslegung her ganz anders als eine Versicherung. Wir verkaufen Sicherheit, eine Versicherung Ertrag. Es ist also keine ,Entweder-oder-Frage‘, sondern für viele eine ,Und-Frage‘. Vom Gesetz her ist die Pensionsversicherungsanstalt als ,Versicherung aller‘ definiert, wenn man so will als ,Mindestsicherung für alle‘. Das mag für manche zu wenig sein, die müssen privat vorsorgen. Wir bieten ein hohes Maß an Sicherheit – aber leistungsmäßig sind wir nach oben hin limitiert.

Michael Müller: In der Öffentlichkeit sollte dies besser kommuniziert werden. Die Politik macht vielfach Aussagen, wonach die Österreicher nicht vorsorgen brauchen und das Umlageverfahren sicher ist. Aber obwohl es so viele Beitragszahler wie noch nie gibt, braucht es Milliardenzuschüsse des Bundes.

Winfried Pinggera: Hier muss man differenzieren: Die hohen Zuschüsse sind bedingt dadurch, dass die Österreicher dank Hacklerregelung, Korridorpension, Erwerbsunfähigkeitsrenten etc. im Schnitt mit 58 Jahren in Pension gehen. Natürlich wäre hier mehr Mut seitens der Politik wünschenswert. Wäre dies nur ein Jahr später, wäre bereits rund eine Milliarde eingespart. Zudem leistet eine private Versicherung nicht das, was mir vom Staat gegeben wird, beispielsweise Witwenversorgung usw.

Gerhard Hopfgartner: Die jüngste GfK-Umfrage in unserem Auftrag hat deutlich gezeigt, dass die Bevölkerung sehr wohl spürt, dass Vorsorgebedarf gegeben ist. Es geht dabei weniger darum, ob es die staatliche Pension gibt oder nicht, sondern um die Pensionslücke, also den Abstand zum letzten Aktivbezug – und dieser wird größer. Wir sprechen sogar vom Pensionsloch.
Ein Umfrageergebnis war auch, dass die PVA die erste Anlaufstelle zu diesem Thema ist. Sie trägt daher in unseren
Augen eine große Verantwortung.

Johannes Pundy: Die größte Lücke entsteht bei jenen, die über der Höchstbeitragsgrundlage verdienen, diese Gruppe entspricht aber nur 10 Prozent der aktiven Bevölkerung, ist also relativ klein.

Winfried Pinggera: Nichtsdestotroz muss man die Menschen für die Verlagerung des Wohlstands in ihrem Leben sensibilisieren. Dann muss man sich auch überlegen, mit welchem Geld man privat vorsorgen kann. Daneben gibt es ja Instrumente zur Vorsorge wie die Abfertigung neu. Über die Höhe des eingehobenen Prozentsatzes und die Entnahmemodalitäten
ließe sich natürlich streiten.

Michael Müller: Einerseits muss man von einer Verbreiterung der
Beitragsgrundlage reden. Und andererseits ganz klar die Botschaft transportieren, dass private Vorsorge Konsumverzicht
ist.

Winfried Pinggera: Wir vollziehen die Politik bloß, ich bin daher nicht in der Rolle, politische Entscheidungen zu verteidigen.

Gerhard Hopfgartner: Das Service der PVA wäre jedenfalls in meinen Augen verbesserungsfähig. Wann finden denn die Beratungen durch die PVA statt, wer wendet sich an die PVA?

Winfried Pinggera: Tatsächlich kommen die Anfragen der Österreicher erst in den Jahren knapp vor Pensionsantritt und es geht dabei in erster Linie um die Pensionshöhe.

Wäre mehr Beratungsleistung durch die PVA machbar?

Winfried Pinggera: Im Detail gestalten sich die Beratungen schwierig, weil im Zuge der Reformen nun Parallelsysteme existieren. Das ASVG und dann das 2005 zusätzlich erlassene Allgemeine Pensionsgesetz, das APG. Wir sehen uns aber nicht als Fürsprecher der Versicherungswirtschaft, das ist nicht unsere Aufgabe. Haben wir einmal mehr Sicherheit in der Prognose, dann brauchen wir von der PVA den Menschen den Schluss, ob privat vorsgesorgt werden muss oder nicht, nicht nahelegen. Diesen Schluss muss er schon selbst ziehen. Diese Verantwortung zu übernehmen, das würde die PVA-Berater ja auch überfordern.

Gerhard Hopfgartner: In der Bevölkerung herrscht vielfach der Ansatz „Ja, dann mach’ halt eine Versicherung“. Das ist sicher der falsche Weg. Ich denke, die Faustregel 10 Prozent des Einkommens für die Vorsorge sind im Regelfall verschmerzbar. Die Umfrage hat ergeben, dass, wenn vorgesorgt wird, der Vorsorgebetrag knapp unter 100 Euro monatlich liegt.

Ist das nicht zu wenig? In der Diskussion fehlt mir immer noch die Berücksichtigung der demografischen Entwicklung. Es wäre schön und gut, wenn die Österreicher im Schnitt alle ein Jahr später in Pension gingen. Aber was nützt das, wenn die Belastung für die aktive Bevölkerung einfach zu groß wird, die Aktiven zu viele alte Menschen tragen müssen. Wir leben ja auch immer länger...

Winfried Pinggera: Ja, wir leben immer länger, aber auch anders als früher. Mit 60 fängt doch heutzutage ein ganz anderer, neuer Lebensabschnitt an. Schwarzmalen alleine halte ich nicht für gut. Es ist doch denkbar, dass die Menschen zwischen 60 und 90 auch kommunale Aufgaben übernehmen, sich sozial engagieren. Es gibt doch Generationenhäuser, wo ältere Menschen auch Kinder betreuen etc. Also ich sehe hier durchaus einen Wandel in der Gesellschaft. Und was das Pflegethema betrifft, so sind es immer die letzten drei Jahre, die am teuersten sind. Vor 20 Jahren fiel diese Zeit in die Spanne zwischen 65 und 68 Jahren, heute ist es in der Spanne zwischen 79 und 82 Jahren.

Michael Müller: Aber bleiben wir doch bei den Fakten: Der Beitragszahler heute wird weniger Pension bekommen. Die Politik orientiert sich an der Interessengruppe der Pensionisten, nicht an jener der Beitragszahler. Gott sei Dank gibt es nun mit dem Verein „Die Pensionsbeitragszahler“, der von Peter Manhart und Walter Worresch ins Leben gerufen wurde, jemanden, der Klartext spricht.

Gerhard Hopfgartner: Wir müssen beginnen in Alternativen zu denken. Reformen, wie sie zuletzt in Deutschland stattgefunden haben, wären auch für Österreich wünschenswert.

Michael Müller: In Wahrheit aber kommt der Steuerzahler zwei Mal zum Handkuss. Er bekommt weniger für seine Beiträge und über den Bundeszuschuss finanziert er erst wieder mit.

Johannes Pundy: Und nur 50 Prozent der Bevölkerung zahlen überhaupt Steuern...

Michael Müller: Ich würde mir von seiten der Politik eine echte steuerliche Förderung der privaten Vorsorge wünschen für alle Produkte. Es sollte sich nicht nur auf jene der  Versicherungswirtschaft beschränken. Ich muss doch selbst entscheiden können, worin ich gerne investiert sein möchte. Alles andere ist doch Entmündigung.

Winfried Pinggera: Sie wollen mir aber doch nicht erzählen, der Normalverbraucher durchschaut die Vorsorgeprodukte?In der Krise hat man es ja gesehen...

Aber den Kontoauszug der Pensionsversicherungsanstalt zu verstehen ist auch nicht ganz leicht...

Winfried Pinggera: Das Pensionssystem ist gerecht, es gibt viele
Zusatzleistungen wie etwa Kinderersatzzeiten, Rehabilitationmaßnahmen etc. Aber es ist zu kompliziert, das stimmt wohl.

Michael Müller: Gerade für uns unabhängige Finanzberater wäre die Pensionsvorsorgeberatung eigentlich ein Milliardengeschäft. Wobei die Beratung auf die gesamte Lebensdauer des Menschen abzielen muss...

Gerhard Hopfgartner: Zumal in der letzten Dekade kaum Geld mit Aktien zu verdienen war. In den vergangenen 100 Jahren hat es nur drei solcher Dekaden gegeben.

Wie sieht Ihre eigene private Vorsorge aus?

Winfried Pinggera: Neben der staatlichen Pension bin ich Leistungsanwärter bei einer betrieblichen Pensionskasse sowie bei einer Mitarbeitervorsorgekasse plus ein Engagement auf dem Immobilienmarkt.

Gerhard Hopfgartner: Ich bin noch Nutznießer der Abfertigung Alt, bin in der betrieblichen Altersvorsorge eingebunden und verfüge über ein klassisches, breites, gemischtes Portfolio aus Aktien, Anleihen, Spezialprodukten und besitze auch selbst ein Haus.

Michael Müller: Ich bin Unternehmer und daher nicht so sehr auf den Pensionsantritt fokussiert. Gleichwohl veranlage ich breit gestreut in Investmentfonds, auch in Immobilienfonds.

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Quelle: FONDS exklusiv

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