Der Krampf mit dem Zinseszins …

Der Krampf mit dem Zinseszins …

von Josef Obergantschnig, geschrieben am 27.09.2013 10:19

Gegen Ende des Wahlkampfes rückt das Pensionsthema wieder einmal in den Mittelpunkt der Überlegungen. Die Unsicherheit, ob das System in dieser Form auch in Zukunft werthaltig ist, ist meinen Beobachtungen nach in der breiten Bevölkerung bereits verankert. In diesem Zusammenhang möchte ich beispielsweise auf die Demographie verweisen. Die sogenannte Baby-Boomer-Generation wird in den kommenden 10 - 15 Jahren in den Ruhestand wechseln und damit die Gesamtausgaben signifikant erhöhen. Die Politik versucht bereits, dem entgegenzuwirken - man denke beispielsweise an die Streckung der Durchrechnungszeiten.

Insofern ist es für mich nicht ganz nachvollziehbar, dass viele in meinem Bekanntenkreis zwar das Bewusstsein haben, dass man für den Lebensabend vorsorgen sollte, allerdings wenige das effektiv tun.

Wir haben uns intensiv mit dem Thema - den sogenannten drei Säulen der Altersvorsorge - auseinandergesetzt. Die private Vorsorge stellt für mich eine wesentliche Säule dar, um der drohenden Altersarmut entgegenzuwirken. Aufgrund dessen habe ich für mich die Pyramide bewusst auf den Kopf gestellt. Mein Ziel ist es, selbst so viel anzusparen, dass ich zumindest die Grundbedürfnisse selbst abdecken kann. Laut heutigem Gegenwert würden dazu rund EUR 10.000,- p.a. erforderlich sein. Die Faktoren Zeit und Rendite spielen hierbei eine maßgebliche Rolle. Bei unten angeführter Tabelle sind wir davon ausgegangen, dass die monatlichen Beiträge alle 10 Jahre um die Inflation (Annahme: 2% p.a.) angepasst werden und dass die Verrentungsphase 15 Jahre gewährleistet werden kann. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 80 Jahren und einem (zumindest theoretischen Pensionsantrittsalter von 65 Jahren) entsprechen diese Vorgaben dem Status-Quo.



Anhand der Tabelle wird ersichtlich, dass sowohl die Veranlagungsdauer als auch die zugrundeliegende Rendite von essentieller Bedeutung sind. Wenn man beispielsweise nur 10 Jahre Zeit hat, muss man bei einer Rendite von 2% bereits EUR 1.190,- pro Monat ansparen, um das Ziel zu erreichen. Wenn man im Gegensatz dazu allerdings bereits Mitte der 20er Jahre damit beginnt, reichen „bereits“ EUR 300,- pro Monat aus, um den erforderlichen Betrag anzusparen. Das ist in Anbetracht des Durchschnittseinkommens in Österreich, welches gegenwärtig bei etwas über EUR 2.000 brutto p.m. liegt ein sehr unrealistisches Unterfangen. Wenn man es allerdings schafft, über den Veranlagungszeitraum eine Rendite von z.B. 5% zu erwirtschaften, würden schon EUR 130,- genügen. Der erforderliche Betrag würde sich im Vergleich zu einer 2%igen Performance um 57% reduzieren! Die „Ersparnis“ bei einer 10-jährigen Veranlagungsdauer ist bei gleichen Parametern „lediglich“ 30%. Anhand dessen wird ersichtlich, dass auch der Zinseszinseffekt Zeit benötigt, sich richtig zu entfalten.

Problematisch sind aus meiner Sicht demnach vor allem zwei Dinge. Auf der einen Seite wird vom Gesetzgeber eine Kapitalgarantie „gefordert“. Dies führt dazu, dass die Produktanbieter „gezwungen“ werden, auch bei sehr langen Laufzeiten tendenziell viel zu risikoavers zu veranlagen. Das führt zu einer Scheinsicherheit, da der Fehler begangen wird, das Risiko immer nur eindimensional zu betrachten. Die Frage „Wie viel kann ich verlieren?“ steht im Fokus der Überlegungen. Der Frage: „Wie viel Ertragspotenzial lasse ich durch eine zu konservative Veranlagung liegen?", wird nur sehr selten gestellt.


Selbst bei einer Pensionsveranlagung wird häufig dem kurzfristigen Ergebnis viel zu viel Beachtung geschenkt. Ziel muss es sein, über einen langfristigen Zeitraum von zum Teil mehreren Jahrzehnten ein gutes Ergebnis zu erzielen. Was spielen über diesen Zeitraum Tagesbewegungen bei einer so langfristigen Veranlagung wirklich für eine Rolle?

Aufgrund dieser Überlegungen ist es aus meiner Sicht ratsam, die Asset-Allocation über den Veranlagungszeitraum laufend zu adaptieren. In der ersten Phase ist demnach anzuraten, in risikoreichere Assetklassen (Aktien) zu veranlagen. Langfristig macht es sich aus meiner Sicht bezahlt, möglichst breit zu streuen und sich global auszurichten. Gegen Ende der Veranlagungsperiode (z.B. 10 Jahre vor der Pension) muss das Risiko kontinuierlich zurückgefahren werden, um den Kapitalerhalt zu gewährleisten.

Und damit sind wir schon beim zweiten Problem. Wenn man beispielsweise über die gesamte Laufzeit kein respektive zuwenig Risiko eingeht und beispielsweise in österreichische Staatsanleihen veranlagt, schlagen sich die derzeit geringen Renditen auf die Ertragserwartung nieder. Das schlägt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Gesamtergebnis nieder.

Damit sind diese aufgrund der hohen Staatsverschuldung zwar temporär gut für die jeweiligen Budgets - für einen langfristig orientierten Sparer stellen sie allerdings ein Problem dar, sofern er nicht bereit ist, auch risikoreichere Assetklassen dem Portfolio beizumischen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at

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