Gebrauchsanleitung zum Pensionskontoauszug

 Gebrauchsanleitung zum Pensionskontoauszug

Der Artikel zu einem Interview von Mag. Manfred KAINZ mit Walter Worresch, Obmann des Vereins der Pensionsbeitragszahler Österreichs

Jeder kann seinen persönlichen Pensionskontoauszug einsehen, indem er sich bei FinanzOnline (www.finanzonline.bmf.gv.at) registriert. Und dann gilt es, die Zahlen am Pensionskonto richtig zu verstehen und Schlüsse für die eigene Vorsorge zu ziehen.

Der persönliche Pensionskontoauszug heißt auf Amtsdeutsch „Aufstellung der jährlichen Teilgutschriften“.


Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Für Herrn & Frau A. wies die Aufstellung für das Jahr 2011 die sog. „Jahressumme der Beitragsgrundlagen“ von 50.000 € aus.

Diese wird mit 1,78 % multipliziert und ergibt die sogenannte „Teilgutschrift“ am Auszug, also 890 €. Die 1,78 % sind der sog. jährliche „Steigungsfaktor“, der im Allgemeinen Pensionsgesetz (APG) festgeschrieben ist.

Diese „Teilgutschrift“ für 2011 wird zur „Gesamtgutschrift“ 2010 (angenommen 4.500 €) addiert und ergibt die Zahl in der Spalte „Gesamtgutschrift aufgewertet“.

Das ist die Summe, die Herr & Frau A. als Brutto-Jahrespension per 2011 (in 14 Teilen) ausgezahlt bekämen, wenn sie - alle Voraussetzungen erfüllt - in Ruhestand gehen würden.

„Aufgewertet“ heißt die Spalte deshalb, weil die Jahresgutschrift 2010 vor der Addition noch mit dem sog. „Aufwertungsfaktor“ rechnerisch „wertgesichert“ - „aufgewertet“ - wurde. Dieser „Aufwertungsfaktor“ wird Jahr für Jahr vom Parlament gesetzlich neu festgelegt und beträgt aktuell 0,6%. (4.500 x 0,6 % sind „heiße“ 27 € „Aufwertung“).

Der Pensionskontoauszug suggeriert Herrn & Frau A. also, dass sie eine Jahres-Bruttopension von 4.500 + 27 + 890 = 5.417 € bekommen würden. So weit, so . . .

Jetzt zur - ernüchternden - Interpretion:

1. Der „Steigerungsfaktor“ ist keineswegs in Stein gemeißelt, er war auch schon einmal bei 2 %. Dass er (noch) niedriger wird, ist also nicht auszuschließen, im Gegenteil. Denn auf Grund der Staatsschuldensituation werden uns neue „Sparpakete“ auch in Zukunft nicht erspart bleiben.

2. Der „Aufwertungsfaktor“ soll sich eigentlich nach den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen orientieren, also eigentlich eine Inflationsanpassung der „Gutschriften“ sein. Faktum ist jedoch, dass die aktuellen 0,6 % von der realen Inflationsrate (um die 2,2 %) weit entfernt sind. Von Inflationsausgleich, von „Wertsicherung“ ist also keine Rede. Im Gegenteil, mit nur 0,6 % werden die Gutschriften real entwertet. Und die künftigen „Aufwertungsfaktoren“ werden realpolitisch wohl auch deutlich unter der Inflationsrate liegen.

3. Und die „Gesamtgutschrift aufgewertet“ ist leider kein „Guthaben“, wie etwa ein Guthaben auf einem Sparkonto, das man einfach abheben kann. Die „Gesamtgutschrift“ ist leider nur ein „Versprechen“ des Staates auf Pensionszahlung aufgrund der aktuellen Rechtslage. Die versprochene „Gutschrift“ wird durch keinen garantierten Gegenwert repräsentiert, sie kann mit jeder Pensionsreform über den Haufen geworfen werden.

4. Und damit`s noch unsicherer wird: Ab 2014 werden die ASVG-Ansprüche in die APG-Rechnung übergeführt, was die „Gesamtgutschrift“ nochmals verändern wird. Die jetzige „Gutschrift“ hat also eine kurze Halbwertszeit.

Für die persönliche Pensionsvorsorge heißt das:

1. Der Begriff „Pensionskonto“ ist irreführend, weil er ein behebbares „Plus am Konto“, ein persönliches
„Guthaben“ suggeriert, das es gar nicht gibt.

2. Die „Gesamtgutschrift“ wird schleichend entwertet, sinkt also jährlich deutlich im realen Wert.

3. Das Pensionsversprechen des Staates, also die Zahl in der Spalte „Gesamtgutschrift aufgewertet“ des Pensionskontos, basiert auf der aktuellen Rechtslage und selbst das nur bis 2014.

Nicht verlassen

Was bedeutet das alles für die Vorsorgepraxis?

Walter Worresch, Obmann des Vereins der Pensionsbeitragszahler Österreichs, formuliert es drastisch:

„Unsere Pensionen werden einerseits ,planmässig entwertet’:

Das geschieht jedes Jahr durch den niedrigen Aufwertungsfaktor, der nur rund ein Viertel der Inflation abdeckt.

Und die Pensionen werden auch noch ,außerplanmäßig entwertet’: Jede politische Pensionsreform - und es werden weitere kommen (müssen) - kann die derzeitige „Gesamtgutschrift“ von Herrn & Frau A. zu Schall und Rauch machen.“

Herr & Frau A., heute z. B. 40 Jahre alt, die sich darauf verlassen, dass sie ihre jetzige  „Gesamtgutschrift“ am Pensionskonto auch ausgezahlt bekommen werden, müssen darauf vertrauen, dass die Rechtslage in 25 Jahren (bei ihrem Pensionsantritt) noch immer so ist wie heute.

Und da müssen sie sich fragen: Ist das realistisch?

Will man sich auf ein „Versprechen“ der Politik/des Staates verlassen, oder ist man dann „verlassen“?

Worresch warnt: „In den nächsten 25 Jahren werden wir mit Sicherheit 25 APG-Novellen haben, wechselnde Regierungen und demografisch bedingt  gezwungenermaßen mindestens fünf Pensionsreformen mit Sparzwang.“

Fazit:

Pensionskonto anschauen ist gut, aber richtig „lesen“.

Und sich nicht darauf verlassen, sondern mit professioneller Beratung vorsorgen, ist besser. Damit man keine böse Überraschung erlebt

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