Sackgasse Umlageverfahren

Sackgasse Umlageverfahren

Pensionsreformen sind zwar wichtig, aber auch extrem gefährlich

Immer wieder tauchen Diskussionen um neue, dringend notwendige Pensionsreformen auf. Allen diesen Diskussionen ist gemein, dass es sich dabei immer um massive Einschnitte in bestehende, oder zukünftig zu erwartende Pensionszahlungen handelt.

Ebenfalls ist in allen diesen Reformen und Diskussionen eines enthalten: Je weiter in der Zukunft die Auswirkungen liegen, desto gravierender die Kürzungen.

Diese Einschnitte werden auch immer sehr kompliziert dargestellt und sind für den Laien in der konkreten Auswirkung nur sehr schwer erkennbar.

 

Worin liegt das Problem?


Wie ja bekannt ist, werden Pensionen durch das sog. Umlageverfahren finanziert.

„Umlagesystem“ bedeutet, dass die Pensionsversicherungsbeiträge, die von der beruflich aktiven Bevölkerungsgruppe bezahlt werden, direkt an die Pensionsbezieher ausbezahlt werden, also „umgelegt“ werden.

Aufgrund dieser Systematik spricht man auch vom „Generationenvertrag“: „Alt“ sorgt in der Kindheit für die „Jungen“. Dafür sorgen dann die „Jungen“ im Alter für die „Alten“.

Ob das Umlagesystem funktioniert, ist einzig und alleine davon abhängig, wie viel zu einem bestimmten Zeitpunkt an Beiträgen einbezahlt wird – und wie hoch zu diesem Zeitpunkt der Kapitalbedarf für die Auszahlung der aktuellen Pensionen ist.

Vereinfacht gesagt, kann man das Funktionieren des Systems auf das Verhältnis von „Beitragszahlern“ zu „Leistungsempfängern“ reduzieren. D.h. wie viele Beitragszahler müssen für die Pension eines Leistungsempfängers aufkommen.

Aufgrund dieser Systematik gehen alle Pensionsreformen, die von „erworbenen Rechten“ ausgehen am Kern der Problematik vorbei. Die letzten – und auch derzeit wieder diskutierten Reformen – beschäftigten sich mit Steigerungssätzen, Beitragszeiten, Durchrechnungszeiträumen etc.

All das sind aber Kriterien, die einen „Erwerb von Rechten“ an einer bestimmten Pensionshöhe vorspiegeln: Wenn du das, oder das geleistet hast, dann erhältst du so viel an Pensionszahlung. Diese Logik hat aber nichts mit der Finanzierungssystematik der Pensionen zu tun.

In zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren wird das einzige Kriterium für die Höhe der Pensionszahlung sein: Wie viel an Beiträgen fließt an das System? Wie hoch können daher - aufgrund dieser Beiträge - die aktuellen Pensionszahlungen sein – und wer bekommt davon wie viel?

Jede sinnvolle Pensionsreform müsste daher immer auf das vorherrschende Verhältnis von Zahlungen AN das Pensionssystem zu aktuellen Pensionszahlungen an Pensionisten abzielen.

Vereinfacht gesagt: Wenn das Verhältnis von Beitragszahlern zu Pensionisten X : Y ist, dann kann die Gesamtsumme an Pensionszahlungen € Z sein. Diese Gesamtsumme wird nach folgendem Schlüssel verteilt…

Die Diskussion kann sich daher nur um die Verteilung der möglichen Pensionszahlungen drehen, aber nicht um die Gesamthöhe.

Das ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, entspricht aber exakt der Systematik der Finanzierung des Systems!

Jede andere Form an „Reform“ ist nichts anderes, als eine Verschleierung der vorherrschenden Problematik.

 

Warum sind aber Pensionsreformen dennoch sinnvoll?

Da jede „Reform“ in Wirklichkeit eine massive Kürzung der Pensionsansprüche mit sich bringt, habe ich doch die Hoffnung, dass weite Teile der Bevölkerung dadurch etwas sensibilisiert werden. Noch heute wird der Staat als Versorger der Pensionisten gesehen. Das Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit des Staates ist fast noch ungebrochen.

Diese Sensibilisierung wäre dringend notwendig um die Eigenverantwortung für die Vorsorge für einen gesicherten finanziellen Lebensabend drastisch zu erhöhen.

Warum sind aber Pensionsreformen gefährlich?

Jeder Reform wird vom Staat derart beworben, dass jetzt endlich eine Lösung der Problematik geschaffen worden wäre.

Fällt Ihnen das nicht auch auf?

Nach JEDER "Reform" hieß es, JETZT haben wir es geschafft. Die Finanzierung ist gesichert!

Das ist natürlich Unsinn.

Das einzige, was die "Reform", die ja in Wirklichkeit immer eine Leistungskürzung darstellt, bewirkt ist, dass das bestehende System einige Jahre länger am Leben erhalten wird.

Mit der Vorspiegelung des Funktionierens der "Reform" wird die zahlende Bevölkerung bei Laune gehalten. Widerstände gegen Pensionserhöhungen werden dadurch weitestgehend vermieden. Der Unwille zur Zahlung der Pensionsbeiträge - die sich für den Zahler NIE auch nur annähernd rechnen werden - wird eingedämmt.

DAHER sind die "Pensionsreformen" extrem gefährlich!

 

 

 

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